Sichtachse des Grauens“




Mein Gott, wer hat sich das bloß schon wieder ausgedacht. Bäume fällen für eine historische Sichtachse. Für wen mag wohl diese historische Sichtachse sein? Doch nicht für die Greifswalder, die sich gerade darüber freuen, dass der Wall so üppig grün ist. Ich vermute es ist für ein paar „Feinschmecker“, die irgend welche Gelder verbraten müssen weil sie sonst verfallen würden. Oder was treibt Menschen dazu an, einen so wunderbaren, gewachsenen Ort wie den Wall so verhunzen zu wollen?

Wir haben in der Schule gelernt, dass jeder Baum bis zu 40 000 Liter Wasser binden kann. Das macht bei 50 Bäumen ca. 2 Millionen Liter Wasser. Das ist nach meinen Erfahrungen ein kleiner See. Oder auch die Menge, die sich vielleicht in Wackerow irgendwann mal in irgendwelche Stuben ergießt. Ein Gartenbesitzer wird unter Umständen mit 5000 € Geldbuße bestraft, wenn er seine „historische Sichtachse“ durch die unnötige Fällung eines Baumes herstellt. Einen Hang bepflanzt man, um ihn zu stabilisieren. In der Begründung der Stadtverwaltung steht es anders, nämlich dass der Hang durch die Bäume in seiner Stabilität gefährdet ist. Das klingt bedrohlich und man sieht schon wie der Hang durch die Bäume sich direkt in den Stadtgraben ergießt. Nicht auszudenken. Außerdem schreibt die Stadtverwaltung, dass nach 1885 einfach Bäume gepflanzt wurden, die nicht in den von Julius Münter angelegten Lehrpfad passen. Ja wo kommen wir denn da hin, wenn da jeder einfach vor ca. 100 Jahren einen Urweltmammutbaum und einen japanischen Schnurbaum pflanzen kann um sich damit mir nichts dir nichts in 100 Jahren so eine Art Gewohnheitsstandrecht im Julius Münter Lehrpfad zu erschleichen? Die haben gefälligst einen Antrag zu stellen und zwar heute. Zu vermuten ist auch, dass die ca. 2000 Wallbenutzer am Tag, auch schon lange sehnsüchtig auf die Fällung der 50 Bäume warten, damit es endlich einen ach so unverfälschten Blick auf die Stahl und Glaskonstruktionen am alten Museum gibt.

Ich frage mich aber echt wo diese „Feinschmecker“ sind, wenn es um den Erhalt des alten Gebäudeteils der Kollwitzschule geht? Welche Mutter mag schon mit ihren Kinderwagen den schattigen Platz unter einem dieser schönen Riesen auf dem Wall eintauschen gegen ein Plätzchen auf dem Uni-Innenhof. Einen, aus „historischer Sicht“, ehemaligen botanischen Garten. Der jetzige Platz ist dass Produkt von Architekten und Auftraggebern, die wahrscheinlich einen charmanteren Aufmarschplatz entwerfen wollten oder den Auftrag hatten, Greifswald endlich in Berlin umzuwandeln, aber nicht um ihm historisch zu entsprechen. Was ist mit den vielen alten Häusern, die Spekulanten kaufen durften, um sie dann abzureißen. Natürlich um profitablere Gebäude zu errichten und dann leider außerdem mit meist fürchterlichen architektonischen Ergüssen versehen wie z.B. in der Loefflerstrasse oder das „Pippilangstrumpf Haus“ aus Glas und Beton in der Brinkstrasse. Das ist die „Sichtachse des Grauens“ und wird aus historischer Sicht im Vergleich mit Stralsund irgendwann einmal nur Kopfschütteln hervorrufen. Ich fordere alle Greifswalder Mütter auf, sich mit ihren Kinderwagen vor die Bäume zu stellen. Ich fordere alle Greifswalder auf, diesen Unsinn nicht hinzunehmen.

Ost-Zeit-Story

 

Interview Ostzeistory:  http://www.das-ist-rostock.de/artikel/48289_2012-09-27_unsre-heimat/

 

Ungespielte, schlimme, traurige, lustige, Kinder und Erwachsene Lieder.

 

 

 

 

 

Am 04.10.12 mit der Norddeutschen Philharmonie

Am 29.09.12 in Grimmen            info@kte-grimmen.de

Am 20.10.12 Sticcertheater Stralsund http://www.STiC-er.de

Am 09.11.12 in Greifswald   http://www.theater-vorpommern.de

 

 

OST-ZEIT-STORY

Ungespielte, schlimme, traurige, lustige Kinder- und Erwachsenen-Lieder.

Es ist verschollen und dennoch nicht vergessen. Thomas Putensen singt altes Liedgut aus der DDR. Locker musiziert der Greifswalder Sänger und Pianist in diesem Programm die nicht mehr gespielten alten Schlager, Schullieder und Songs einer vermeintlich besseren Welt. Darunter „Isabell“, „Der alte Schulhof“, „Wer möchte nicht im Leben bleiben“ und „Rauchiger Sommer“. Auch die Besetzung ist einmalig: Neben dem Putensen-Beat-Ensemble sind erstmals der Opernchor des Volkstheaters Rostock und Mitglieder der Norddeutschen Philharmonie dabei – eine vielversprechende Mischung!



Mitsingen strengstens erwünscht!

 



Bei den Proben im Haus der Musik: Thomas Putensen am Klavier.

27.09.2012 | KTV | Kultur > Musik > Ost-Zeit-Story am Volkstheater

Unsre Heimat

Am 4. Oktober singt und spielen Thomas Putensen und seine Band unter dem Titel „Ost-Zeit-Story“ ungespielte, schlimme, traurige, lustige Kinder- und Erwachsenen-Lieder aus der DDR. Zum Mitsingen! Frank Schlößer sprach mit ihm.


 

das-ist-rostock.de: Thomas Putensen, Sie singen 23 Jahre nach der friedlichen Revolution immer noch die Lieder aus dem Unrechtsregime?

Thomas Putensen: Genau. Diese Lieder werden unverschämterweise ungehört sofort in Staatsnähe gebracht, aber sie haben oft mit Honecker und dem Grenz-Stacheldraht nichts zu tun. Viele Texte waren geschickterweise so angelegt, dass sie in jedem Land gespielt werden konnten. Das ist kein Zufall. Das hat eine höhere Ebene als der Propagandamist aus dieser Zeit – an den man sich ja heute zu Recht nicht mehr erinnert. Aber als wir bei den Proben „Unsre Heimat“ gesungen haben, da flossen bei manchen die Tränen.

das-ist-rostock.de: Aber bei „Unsre Heimat“ sieht man doch förmlich die Pionierwimpel flattern...

Thomas Putensen: Das liegt aber nicht am Lied! Angelika Weiz hat das vor der Wende mit einer eigenen, großartigen Interpretation versehen – sie durfte es nicht spielen, ihre Platte wurde eingestampft. Sie hat das Lied selbst, den Text und die Melodie, dabei sehr geachtet! Weil es eine geniale Melodie und einen tiefen, wichtigen Text hat. Natürlich ist die Art, so über seine Heimat zu singen, heute angestaubt, man kann mit dem Pathos nichts mehr anfangen. Aber grundsätzlich kann man das Lied genauso für Deutschland singen. Das Lied hat viele Funktionen – es wurde in der DDR natürlich politisch instrumentalisiert. Aber auch danach – indem es jeder, der sich kritisch mit der DDR auseinandersetzen wollte, herbeizitierte. Aber: Das Lied ist gut. Wenn es der Chor singt, kommt das natürlich so bombastisch wie früher. Gleichzeitig hat das aber etwas Erschütterndes.

das-ist-rostock.de: Sie sind einfach in Ostalgie verfangen!

Heute nur eine Bandprobe: Am 4. Oktober sind auch Opernchor und Orchester dabei.
Foto: Frank Schlößer

Thomas Putensen: Nein, ich bin ein Mensch und habe einen Lebenslauf und der fing in der DDR an. Es kotzt mich an, dass ich jedes mal wenn ich die DDR in ihrer Vielschichtigkeit anspreche, erstmal sagen muss: „Bitte verstehen sie mich nicht falsch, ich möchte die DDR nicht zurück. Nein, nein, nein...“ Sehr viele Menschen in der DDR hatten patriotische Gefühle für ihr Land – und nicht selten war das der Grund dafür, dass sie Fehler machten, dass sie nicht rechtzeitig den Durchblick hatten. Aber bei manchen Liedern war das Pathos echt und authentisch: „Das Lied von der Jaramafront“, „Das Lied vom Großen Vaterländischen Krieg“ oder „Keiner plagt sich gerne: Fort mit den Trümmern und was Neues hingebaut!“. Oder später in den 80er Jahren: „Ein Lied für die Menschen“ von Silly. Und ich hab keine Lust, mich dafür zu entschuldigen. Nostalgie bedeutet wörtlich: Rückkehr mit Schmerzen. Das ist bei der Ostalgie genauso: Da war was, was heute noch wehtut. Also ist es noch da. Es tut doch nicht nur weh, weil das unsere Kindheit war! Es tut natürlich auch aus politischen Gründen weh. Aber darüber muss man doch reden! Interessant wird es, wenn einer wie Peter Leonard unser Fürsprecher wird, weil er „Unsre Heimat“ gut findet und auch gleichzeitig einen amerikanisch-lockeren Abstand dazu hat.

das-ist-rostock.de: Sie brauchen Fürsprecher? Gibt es denn Streit?

Thomas Putensen: Es gab in der Vorbereitung auf dieses Konzert Ressentiments bei den Partnern des Volkstheaters. Es gab eine Auseinandersetzung, es gab die erste Probe, vor der ich wirklich Bammel hatte. Danach waren wir uns einig: Es tat uns gut, diese Lieder zu singen – und sie so zu singen. Denn wir singen natürlich nicht mit einem Pionierchor: „Unsre Heimat  wir schützen sie weil sie dem Volke gehört.“ Das richtet sich heute gegen die Heuschrecken, die in Ostdeutschland den Agrar-Genossenschaften das Land wegkaufen, damit sie weiterspekulieren können, wenn der Euro auseinandergeknallt ist. Finde ich.

das-ist-rostock.de: Man stelle sich vor, dass die Ossis im Publikum ihre Wessi-Freunde mitbringen!

Thomas Putensen: Dieser Abend soll eine Ermutigung an die Ossis sein, sich ohne Scheu an ihre Kindheit und ihr Leben in der DDR zu erinnern. Er ist auch eine explizite Einladung an die Wessis, sich auf diese Lieder einzulassen, auf die Texte und die Art, wie wir sie heute singen. Sie werden überrascht sein und auch viele ihrer Bekannten wiederentdecken. Wichtig ist uns, dass der Abend locker bleibt.

das-ist-rostock.de: Geben Sie uns noch ein paar Beispiele.

Thomas Putensen: "Klingeling, hier kommt mein Drahtesel". Manfred Krug natürlich. Oder - um mal ein anderes Spektrum anzusprechen: „Ein Mädchen wie Du“ von Transit. Eine schöne, viel zu wenig gespielte Rockballade, eigentlich auch ein Chanson. Davon gab es ja viele Lieder. Wir haben uns da aus ganz verschiedenen Richtungen bedient. Und wer uns verstehen will, der wird es auch begreifen, warum wir auch ein paar Takte von „Die Partei hat immer recht“ reinkitzeln.

das-ist-rostock.de: Ein zu Recht vergessenes Lied.

Auch diesmal an den Vocals: Anett Kölpin. Foto: Jörn Haufe.
Jörn Haufe

Thomas Putensen: Ach, ich weiß nicht. Erstens wird es ja schon deshalb nicht vergessen, weil es immer dann hervorgeholt wird, wenn man an etwas Schlimmes erinnern will, das die SED verbrochen hat. Und zweitens ist der Text so albern und doof, dass ich manchmal glaube, das Lied war ein verunglückter Versuch der Selbstironie. Aber weil eben niemand vom Politbüro auch nur einen Hauch Humor erwartete, hat das keiner gemerkt. Manchmal glaube ich auch, Karl Eduard von Schnitzler war ein verkannter Oppositioneller: Der hat dermaßen albern übertrieben mit seinen Argumentationsketten gegen den Imperialismus - das kann doch nur Spaß gewesen sein! Oder Sabotage!

das-ist-rostock.de: Für diese gewagte Thesen hätte ich aber gern einen Beweis!

Weiterführende Links:
Hier geht es zu Thomas Putensen.

Thomas Putensen: Nun bleiben sie mal locker. Wir singen Lieder, die uns gefallen! Nicht aus Trotz, sondern weil sie Freude bringen. Ganz einfach. Und vielleicht stoßen wir damit endlich die Aufarbeitung an, die inzwischen über zwei Jahrzehnte von den Medien blockiert wird. Wir dürfen diese Auseinandersetzung über die DDR-Vergangenheit aber nicht den Zeitungen und den allbekannten Gesichtern in den Talkshows überlassen, wir müssen sie selbst führen, ohne Journalisten. Im Fernsehen wird daraus immer ein Schlagabtausch. In der Literatur und inzwischen auch in Kinofilmen wird die DDR schon lange differenziert betrachtet. Aber in den Massenmedien ist das noch nicht angekommen.

das-ist-rostock.de: Thomas Putensen, danke für das Gespräch.

Am 4. Oktober um 19.30 Uhr im Volkstheater Rostock: Ost-Zeit-Story - die ungespielten Lieder aus der DDR.

Frank Schl

 

OZ Kritik zum Konzert

 

Heinz-Jürgen S t a s z a k über das Konzert Ost-Zeit- Story in Rostock


Begeisternd:  Putensens   O s t-Zeit-S t or y


Ro s to ck – Nach der fremden „West Side Story“ nun die heimische „Ost-Zeit-Story“,
erdacht vom Greifswalder Bandleader Thomas Putensen (52) und produziert fur einen
einmaligen Auftritt im Großen Haus des Volkstheaters Rostock. Eine fantasie- und
humorvolle Musikshow mit den schlimmen-schönen Liedern aus der DDR, nachgereicht
zum Tag der Deutschen Einheit am Donnerstagabend. Jene Lieder, die in der DDR
gesungen wurden, nicht weil Ulbricht und Honecker dies befohlen hatten, sondern weil sie
schön waren und zum Leben dazu gehörten, zu seinem Glück und seinen Traurigkeiten –
und die, auch wenn der gegenwartige Mainstream sie verschweigt, zum unzerstörbaren
musikalischen Bodensatz ganzer Generationen zählen.
Vom Klavier aus sein B e a t-E n s embl e anführend, spielend, singend, moderierend,
knüpfte Putensen eine lockere Kette von Liedern aus Kindergarten und Schule, von
Schlagern und Rockballaden bis hin zum Kessel Buntes, mit verbalen intelligenten Spitzen
gegen Ost und West gewürzt, mehr gegen den Westen und seine political correctness –
und das Publikum amusierte sich und war stets bereit, gleich mitzusingen.
Auch musikalisch war das einfach hinreißend, stimmungsvoll und auch ironisch, mit
schillernden Stilwechseln sozusagen mitten im Takt, mal im ursprünglichen altmodischen
Charme, mal modern angespitzt als Jazz, Rock oder Blues bis hin zum klassischen Touch,
denn Putensen hatte sich für die weichgespülten Momente der Mitwirkung der Streicher
der Norddeutschen Philharmonie versichert. Da entstanden Augenblicke musikalischer
Frechheit, etwa „Die Partei hat immer Recht“ als köstliche Udo-Lindenberg-Parodie oder
besinnlichen Witzes, etwa wenn „Unsere Heimat“ sich zu einem vielfaltigen Tableau
ausbreitet: vom leicht wehmütigen Publikumsgesang über die emphatische Darbietung
durch den Opernchor oder eine Jam-Session bis hin zum virtuosen Cello-Solo. Das alles
war in seinem Können, in seiner Fantasie und Authentizitat einfach begeisternd.
Natürlich lag auch ein klitzekleiner Verklärungsschein darüber, aber es hatte nichts von
verbockter Ostalgie, sondern war ein Pladoyer fur das selbstverstandliche Recht, unsere
(wenigstens musikalischen) Erinnerungen zu leben.


Weitere Aufführungen:
20. Oktober im Sticcertheater Stralsund und am 09. November in Greifswald





 

 

mit dem PutensenBeatEnsemble

 

Kartenvorverkauf unter: 

 

 

 



Interview Bühnenjubiläum
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